RWS SPEED TIP PRO - WENN ES MAL ETWAS WEITER SEIN MUSS
Von Waidmann am 31. Oktober 2017

Horrido Zusammen,

auf der IWA 2017 hat RWS sein neues Rennpferd vorgestellt. Das RWS Speed Tip Pro. Ein bleihaltiger Teilzerleger, welcher sich in die Tradition von RWS einreiht und die Palette der Zerlegungsgeschosse erweitert. Doch was kann das neue Speed Tip Pro und für welchen Anwendungszweck ist es konzipiert? Ich habe mir das Geschoss mal etwas genauer angeschaut und die neuste Entwicklung über die Saison in der Praxis getestet.


Die schwarze Spitze und der stromlinienförmige Aufbau lässt schon erahnen, wo der Einsatzbereich liegt

RWS Speed Tip Pro Aufbau

Teilzerleger sind bei RWS zuhause - Das war schon immer so und wird vermutlich auch so bleiben. Der Grund liegt laut Aussage eines RWS Mitarbeiters auf der Hand. Teilzerlegungsgeschosse töten Wild schneller und zuverlässiger als Deformatoren. Das kann ich rückblickend bestätigen, auch wenn es mittlerweile gut wirkende Deformatoren gibt, die sich nicht verstecken müssen.

Bei der STP (Speed Tip Pro) handelt es sich um ein Zwei - Kammer Geschoss, welches auf das bekannte H-Mantel Konzept aufbaut. Der vorderer weichere Bleikern zerlegt sich definiert bis zur H-Schnürung und sorgt mit seinen Splittern für die nötige Gewebe- und Organzerstörung. Der hintere massive Kern bleibt form stabil und liefert die nötige Tiefenwirkung und einen sicheren Ausschuss. Anders als bei der H-Mantel hat man der STP eine dieser neuartigen Geschossspitzen aufgesetzt. Diese soll für eine bessere Außenballistik sorgen und besonders auf weite Entfernungen noch zuverlässig ansprechen. Dieser Vorteil kommt aber vermutlich erst bei 250m + zum tragen. Im Gesamten reiht sich das Geschoss mit seiner schwarzen Spitze aber in das Bild eines modernen Geschosses ein und sieht wirklich ansprechend aus ;-).  

Aufbau


Dazu sollte man vielleicht noch erwähnen, dass RWS außerdem in den südlichen Länder Europas das SpeedTip (also ohne das PRO) vermarktet. Dieses findet seinen Einsatz auf den dortigen Drückjagden, wo sagen wir es mal vorsichtig, die Wildbretschonung nicht besonders bedeutsam ist.

Das SpeedTipPro und das SpeedTip sind aber zwei völlig, vom Aufbau, unterschiedliche Geschosse. Die Namensgebung finde ich etwas unglücklich, aber hier wird wohl ein tieferer Sinn dahinter stehen?! 

Verfügbarkeiten

Mit 10,7g ist das STP in den Kalibern .308Win, 30-06 und .300 Win Mag erhältlich. Ergänzend dazu in der .338 LM Mag mit 16,2g und in der neuen 10,3x68 Mag mit 18,5g.

Besonders wohl fühlt sich das Geschoss wohl in der .338LM Mag und in der .300 Win Mag, so findet es hier die optimalen Voraussetzungen für den weiten Schuss.

Anwendungsbereich

"Gebaut und konzipiert für weite Entfernungen" schnaptte ich auf der IWA im Gespräch mit RWS auf.

Und das hier durchaus was dran ist, war auf dem GearTester Experience Day schön zu sehen. So verfolgt dieses Geschoss ein Ziel: Zuverlässige Zerlegung auch auf weite Distanzen und abnehmender Geschossgeschwindigkeit. Der Melone-Beschuss zeigt dieses eigentlich sehr gut:

https://www.youtube.com/watch?v=Qb0ozKjvcaI (Danke Dreispross ). Aber auch auf kurze Entfernungen soll das Geschoss gut wirken.

Das STP auf dem Schießstand

Ich habe schon wirklich viel Hersteller und Geschosse versucht und war bis auf wenige Ausnahmen eigentlich immer sehr zufrieden. Dennoch finde ich es immer wieder beeindruckend, wie es RWS gewährleistet, eine solche Präzision zu garantieren. Chaupuea!

SetUp: Blaser R8 in 300 Win Mag auf 100m und 200m. Hier darf das Wort Präzision gerne fallen!

SpeedTip Pro in .300 Win Mag auf 100m (rechts) und 200m (links)

RWS Speed Tip Pro in der Praxis

Ausschuss/Tiefenwirkung:

Ausnahmslos hatten alle Stücke einen Ausschuss. Bei stärken Stücken viel allerdings auf, dass dieser meist nur die Größe einer Zwei Euro Münze hatte. Was aber, wenn man sich oben den Restkörper anschaut, verständlich ist. In der Praxis würde ich mir einen etwas größeren Ausschuss wünschen.

Ein Ausschuss wie man sich diesen auf 140m bei einer 75kg Sau wünscht.

Fluchtstecken/Pirschzeichen:

Außer bei einem Schmaltier lagen alle Stücke mit ausreichend Pirschzeichen unmittelbar am Anschuss. Kurze Fluchten von 3-10m zähle ich mal dazu. Die Schüsse waren alle im Leben plaziert und haben ausreichend Schweiß geliefert. Spannend wird es wohl erst bei nicht so guten Schüssen und ich vermute, erst dann wird die Speed Tip Pro wohl seine Stärken als „agressiver“ Teilzerleger deutlich aussspilen und Pluspunkte gegenbüber einem klassichen Defomator bringen.

Ordentlicher Anschuss. Das halbe Herz am Anschuss (Bock auf etwa 80m)

Wirkung/Wildbretfreundlichkeit:

Die Wirkung würde ich als Umwerfend bezeichnen. Selbst auf weite Entfernungen funktioniert das Geschoss noch gut! Das ist nicht selbstverständlich und leider noch nicht bei allen Anwendern angekommen. Dafür kann es vorkommen, dass man auf besonders kurzen Entfernungen etwas mehr Wildbret Verlust in Kauf nehmen muss. Ein Geschoss was alles kann, gibt es und wird es wohl nie geben!

Auf der langen Waldschneise im letzen Licht. Hier ist es schön, wenn das Wild am Platz bleibt.

Fazit

Nach etwa 15 Stück Wild von 30 bis 280 Meter bin ich bis Dato positiv von diesem Geschoss überrascht und freue mich darüber, endlich ein gut fliegendes und sehr präzis Geschoss für meine .300 Win Mag gefunden zu haben. Ich denke, ich werde es auch mal in der .308 Win ausprobieren.  
Die Balance zwischen Stoppwirkung und Wildbretverlust ist ganz ordentlich getroffen und das Geschoss spricht auf weite Entfernungen gut an. Meine Empfehlung für alle die, die in der Lage sind auch mal 200m + zu schießen und auf ein gut funktionierenden Geschoss nicht verzichten wollen.


Kommentare

Luca Wirtz

Schöner Bericht. Ich werd das Geschoss auch mal ausprobieren, wenn in einer Woche meine 404 kommt. Dann aber in .308

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