Saustarker Unterhebelrepetierer Marlin1895SBL in .45-70
Von Fred Nambur am 29. Juni 2015

Hallo Geartester,
ich führe seit kurzem eine Marlin 1895 SBL in .45-70 und möchte gerne meine guten Erfahrungen mit Euch teilen.

Wie es dazu kam
Nach vier Jahren Aufenthalt in den USA wollte ich mir zur Erinnerung eine „typisch amerikanische“ Jagdwaffe als Andenken mitnehmen. Also was tun? Eine Remington 700 in .30-06? Eine Ruger Scout Rifle in .308? Oder gar eine AR-15 in .223?
Dann war ich kurz vor meiner Abreise noch einmal mit einem Freund auf dem Schießstand und wir schossen mit seinen beiden Unterhebelrepetierern in .30-30 und .44 Magnum und hatten dabei einen Heidenspaß. Die Entscheidung war gefallen! Blieb nur noch die Frage des Kalibers. Da wir im Bergischen Land auf Rehwild und Schwarzwild jagen und letzteres vor allem auf Bewegungsjagden im Mais und Wald, entschloss ich mich für ein „dickes“ Kaliber. Zur Entscheidungsfindung trug auch „Teilchenbeschleuniger“ mit seiner website www.jasw.de bei, die ich hier dringend empfehlen möchte.

Erster Eindruck
Kompakt, griffig, klassisch-modern, „Grinsen-ins-Gesicht-zaubernd“.
Die Waffe ist nur rund 1m kurz und wiegt etwas über 3kg „out-of-the-box“. Mit 6 Patronen im Magazin und mit Zielfernrohr kommt man auf rund 4kg. Der graue Schichtholzschaft ist sehr griffig und der Vorderschaft ausreichend groß bemessen um mit den Fingerspitzen nicht direkt an den Lauf zu kommen. Die Verarbeitung des Schaftes und aller Metallteile macht einen sehr guten Eindruck, auch wenn es einige scharfe Ecken und Kanten gibt. Es ist eben keine Sauer, Blaser oder Heym… Anstatt einer klassischen Visierung hat die SBL eine Ghost-Ring Visierung und eine „LeverRail“ genannte Picatinnyschiene, welche eine günstige Montage erlaubt. Die feste Visierung ist eine klasse Lösung, denn bei dem kurzen Lauf wäre der Abstand zwischen klassischer Kimme und Korn sicher etwas kurz. Aber auch so sollte man „oben ohne“ sicher nicht weiter als 30m schießen.

Auf dem Schießstand
Ich habe mir ein Leupold 1-6x24 montieren lassen. Die Optik ist super, allerdings ist der Zoomring etwas schwergängig. Der Leuchtpunkt lässt sich per Druckknopf betätigen, da finde ich die Rädchen einiger deutscher Hersteller doch praktischer. Den Abzug habe ich vom Büchsenmacher überarbeiten lassen. Mit diesem Set-up ging es dann zunächst auf die 100m Bahn.
An den Abzug musste man sich erst einmal gewöhnen, aber dann schießt der UHR trotz des kurzen Laufs außerordentlich präzise.
Ich habe mir zwei Sorten Jagdmunition zugelegt: Die Hornady Leverevolution FTX (Flex Tip eXpanding) mit Teilmantelspitzgeschoss und die Barnes Vortex mit Kupferhohlspitzgeschoss.
Die FTX schießt auf 100m 4 cm hoch, die Vortex genau Fleck. So kann man beide Laborierungen gleichzeitig einsetzen. Die FTX kostet rund EUR 50, die Vortex knapp EUR 70. So ist die FTX prädestiniert für den Schießstand (und dort wo Blei noch erlaubt ist natürlich auch für die Jagd), die Vortex geht mit in bleifreie Gebiete.
Einige Wochen später durfte der UHR dann im Schießkino beweisen, was er kann. Hier kann die Waffe zwei ihrer systembedingten Stärken klar ausspielen. 1. Das System erlaubt einen sehr schnellen Repetiervorgang. Selbst als ungeübter Schütze hat man die Bewegung schnell verinnerlicht. 2. Der lineare Repetiervorgang bei dem die Hand im Bügel bleibt, erlaubt es die Waffe die ganze Zeit im Anschlag zu halten ohne den Kopf zu bewegen. So habe ich mein Ziel die ganze Zeit im Blick.
Was noch? Hält man zum ersten Mal eine Patrone im Kaliber .45-70 (metrisch 11,6x53) in der Hand fragt man sich schon, wie die sich denn anfühlen wird. Kurzum: Ich empfinde sie als ähnlich angenehm zu schießen wie meinen 98er Stutzen in 8x57IS und weitaus angenehmer als eine .30-06. Der dumpfe Knall ist allerdings etwas Besonderes :-)

In der Praxis
Hier zahlen sich zwei weitere Vorteile des Systems aus. Zunächst einmal ist die hohe Magazinkapazität zu nennen. 6 Patronen fasst das lauflange Röhrenmagazin. Theoretisch könnte man dann einmal durchrepetieren und eine weitere Patrone in das Magazin laden. Das sollte für jede deutsche Drückjagdsituation reichen.
Kommen wir zum Hahn und zur Sicherung. Das gute alte UHR System kombiniert zwei auch in Deutschland sehr geschätzte Systeme - die Schlagbolzensicherung und die Handspannung. Der Hahn hat 3 Positionen: abgeschlagen, halb gespannt, gespannt. Abgeschlagen liegt er auf dem Schlagbolzen auf. Halb gespannt kann man die Waffe nicht auslösen und die Druckknopfsicherung lässt sich zwischen Hahn und Schlagbolzen schieben. Erst in gespannter Position lässt sich der Abzug betätigen, ähnlich einem single-action Revolver. Auf dem Stand habe ich die Waffe halb-gespannt und entsichert. Erst im Anschlag spanne ich den Hahn – das geht fast lautlos vonstatten. Nach dem Repetiervorgang ist der Hahn sofort wieder gespannt und die Waffe schussbereit. Brauche ich keinen zweiten Schuss wird gesichert und der Hahn wieder in halb gespannte Position gebracht. Dann kann ich wieder entsichern und auf das nächste Stück Wild warten. Klingt zunächst alles sehr gewöhnungsbedürftig, man hat es aber schnell raus und weiß bald die Vorteile zu schätzen.
Während der Saison 2014/15 konnte ich 4 Schweine von 35-65 kg sowie einen Fuchs mit dem UHR erlegen. Details zu den Erlegungen findet Ihr in einem separaten Bericht zu den beiden Patronen/Geschossen.
Für mich ein gelungener Einstand mit meiner amerikanischen Errungenschaft, die ich hiermit wärmstens weiterempfehlen kann.

Zusammenfassend:
+ führig und angenehm zu schießen
+ präzise und sicher
+ hoher Spaßfaktor
- Abzug und scharfe Kanten sind zu überarbeiten
- Beschränkte Auswahl an Fabriklaborierungen sowie begrenzte Einsatzentfernung für die .45-70

Fred Nambur
Enthusiast

Kommentare

Martin Labude

Als angehender Jungjäger und Linksschütze beschäftige ich mich schon länger mit den UHRs. Habe aber noch nie so einen Ausführlichen Beitrag gefunden. Danke.

Fred Nambur

Hallo Zwölfender,
Gerne, falls Du noch weitere Fragen hast einfach hier posten oder melden. Der Unterhebel ist für Linksschützen natürlich super und der Schaft hat auch keine Backe. Einzig den Patronenauswurf stelle ich mir schwierig vor. Eventuell musst Du die Waffe dafür aus dem Anschlag nehmen, das solltest Du mal vorher ausprobieren....

Martin Labude

Danke
Das mit dem Patronenauswurf habe ich mir auch schon überlegt... werd ich auf jeden Fall erst ausprobieren bevor es zum Kauf kommt.

jagd_osterzgebirge

Toller Bericht, danke dafür! Genau diese Waffe in dem Kaliber steht auch schon auf meinem Wunschzettel. Freue mich schon auf den Tag, an dem ich sie in den Händen halte.

Michael Reitberger

Hallo,
bist du mit der Marlin und dem Kaliber weiterhin zufrieden oder nutzt du mittlerweile etwas anderes zur Drückjagd?

Suche zu meiner .260 für den Ansitz noch etwas rein für Sau auf Drückjagd und Ansitz an der Kirrung.

Mfg

Fred Nambur

Hallo Mike, klar nutze ich sie weiterhin - warum auch nicht? Habe letzte Saison zwei weitere Wutzen damit geschossen und dabei hat sie alle beschriebenen Vorteile bestätigt.
Ich kann Dir die Waffe für Drückjagd und Ansitz waermstens empfehlen.

Michael Reitberger

Hallo, ok Danke. Ich plane im Moment eine Lösung mit einem Glas 1-6 Fach, beim Ansitz soll es nur für die Kirrung benötigt werden, für alles was weiter draußen ist habe ich meine .260

Michael Reitberger

Ok danke. Haupteinsatz soll eh Drückjagd sein. Für den Ansitz hab ich auch noch mehrere andere Halbautomaten und Repertierer im Schrank :) Wechselst du deine Munition für verschiedene Anwendungsgebiete oder hast du einen Favoriten? Mfg

Fred Nambur

Ja, ich wechsele wie oben beschrieben zwischen der Leverevolution (Blei, günstiger) und Vortex (bleifrei, teurer). Auf der Jagd hier in NRW nur noch bleifrei. Kino und Stand dann die günstigere. Beide schießen gut zusammen, das passt perfekt.

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