Das Zielfernrohr "Nachtfalke" von DDoptics
Von team winz, 26. Oktober 2016

Zoologisch gesehen gibt es diesen Vogel gar nicht, abgesehen von einem amerikanischen Singvogel, welcher nicht einmal nachtaktiv ist. Trotzdem assoziiert man mit diesem Begriff automatisch einen scharfen Überblick und die Fähigkeit in der Dunkelheit zu jagen. Nehmen wir den Nachtfalken, ein Zielfernrohr von DDoptics, mal genauer unter die Lupe
Unterwegs waren wir zur Rothirschbrunft im Süden Ungarns. Bei der Wahl des Zielfernrohres kam es zunächst weniger auf die Lichtstärke an, sondern viel mehr Wert legten wir auf eine variable Vergrößerung. Ziel war nicht nur der Ansitz, es ging auch jeden Tag auf die Pirsch. Wir wählten das DDoptics Zielfernrohr Nachtfalke Gen. III in der Version 5-30*50 HDX mit IFiber-Control und dem Absehen N 4.

Kommen wir zunächst zu einigen der wichtigen technischen Daten:
Gewicht
742 g
Vergrößerung5-30fach
Austrittspupille Ø in mm10,44 -1,62 mm
Dämmerungszahl15,0 -38,7
Sehfeld 100m7,2-1,1 m
Dioptrienausgleich-3 bis +3
Absehen (2. Bildebene)New Absehen 4
Max. Verstellweg+-27,25 MOA
Parallaxenausgleich20-500-unendlich
MittelrohrØ 30 mm
ASV Zerostop
ObjektivØ 50 mm
Okular Ø 40,5 mm
Gesamtlänge348 mm

Soweit die Theorie, aber wie schlägt sich das Zielfernrohr in der Praxis?
Bereits beim Einschießen der Kombination Nachtfalke, Hornady Custom international (Interlock), Sauer 100 im Kaliber .308win, bot die 30fache Vergrößerung die Möglichkeit ein Trefferbild auf der Scheibe deutlich zu erkennen. Eine Verstellung der Höhe und Seite war problemlos und Korrekturen waren präzise machbar. Die Kombination schien gut zu funktionieren und so waren wir mit dem Ergebnis des Einschießens sehr zufrieden. Wiederholgenau konnten wir, zunächst auf 100 Meter, Gruppen mit Streukreisen unter der 30mm Marke schießen.
Der fein justierbare, klare Leuchtpunkt deckt auch auf größere Entfernung kein geeignetes Ziel ab. Unser Zf ist bereits mit der IFiber Position Control ausgestattet.
Diese Funktion bewirkt, dass der eingeschaltete Leuchtpunkt automatisch erlischt, wenn die Lage der Waffe länger als vier Minuten nicht verändert wird. Erst beim Anschlag bzw. einer Positionsveränderung, schaltet die Mikroelektronik die vorher gewählte Helligkeit des Leuchtpunktes (IFiber-Memory-Control) wieder ein. Verändert sich über drei Stunden die Lage der Waffe nicht, so schaltet sich die Diode selbst komplett ab, um möglichst viel Energie zu sparen. Laut Herstellerangaben lassen sich auch andere Zielfernrohre der Marke DDoptics damit nachrüsten.
Auffallend ist die Wirkung des seitlich angebrachten Parallaxenausgleichs. Auch bei nicht allzu groß gewählter Vergrößerung ist eine Verstellung bereits nötig, aber auch sehr präzise machbar. Von 25 Metern bis hin zu 500 Metern (unendlich) reicht die Verstellmöglichkeit. Bei hoher Vergrößerung ein großes Plus! Auch ein Schätzen der Entfernung ist so, mit ein wenig Übung bzw. Erfahrung, möglich.
Vermutlich ist es dem günstigem Preis von ca. 1100,00 Euro geschuldet, aber unser Nachtfalke besitzt auf den ersten Blick keine „richtige“ Absehenschnellverstellung. Es befindet sich keine außenliegende Verstellmöglichkeit. Erst nach Abschrauben des Schutzdeckels der Absehenverstellung entdeckt man einen Ring am Verstellturm. Ein sogenannter Zerostop. Mithilfe dieses Rings erarbeitet man sich auf der Schießbahn die benötigten Korrekturen auf verschiedene Entfernungen. Diese werden mittels der mitgelieferten, verschiedenfarbigen Klebepunkte auf der Absehenverstellung markiert. Nach einer Schussabgabe oder Rückkehr zur Standardentfernung ermöglicht der Zerostopring ein direktes Zurückkehren zur Null- bzw. Ausgangsposition. Diese Funktion benötigt in der Regel eher der Sportschütze oder aber der Jäger im Gebirge, welcher auch auf größere Entfernungen schießen muss. Bei einer Optik mit diesen Leistungsdaten reizt es geradezu auf der Schießbahn jenseits der Standardentfernungen zu agieren.
Bei unserer Jagd auf den Brunfthirsch ermöglichte die bis zu 30fache Vergrößerung ein genaues Ansprechen der austretenden Hirsche.
Natürlich musste bei schwindendem Büchsenlicht eine kleinere Vergrößerung gewählt werden, aber mit der Wahl 8fach war es, auch bei schlechten Lichtbedingungen, kein Problem ein klares Bild zu bekommen. Auch die Randschärfe ließ kaum Wünsche offen.
Unser Fazit:
Geeignet halten wir das DDoptiks Nachtfalke HDX 5-30*50 Gen. III für die Ansitzjagd auch bei schwierigen Lichtverhältnissen, vor allem aber für das Longrangeshooting. Die hohe Vergrößerung ist sicher ein Plus für genaueres Ansprechen und noch wichtiger für den Weitschuss auf der Schiessbahn. Die Absehenverstellung mithilfe des Zerostoprings, ist ein Kompromiss, welchen man bei sonst guten Leistungen eingehen kann. Hier muss sich jeder Schütze fragen, ob er sie überhaupt benötigt. Das Preisleistungsverhältnis ist sehr gut und die Optik braucht sich nicht vor der Konkurrenz zu verstecken.
Waidmannsheil vom





Optik

Kommentare

Minos Dobat
Sehr gut! Team Winz ist zurück mit einem wirklich sachlichen Beitrag. Gefällt mir, mein LIKE habt ihr ;-)
Franz Baumann
Danke für den Test. Dazu eine Frage: Ihr schreibt, es sei besonders für LR-Schießen geeignet. Dazu fehlt der Test, wie weit das Absehen, das ja in der 2. BE ist, bei Verstellung abweicht. Zeiss garantiert max. 2 cm. Das wären auf 300 m schon 6 cm Abweichung. Hier aber sprechen wir von einem deutlich günstigeren Glas. Wie groß ist hier die maximale Abweichung auf 100 m?
Minos Dobat
1cm ist natürlich ein Wort! Und Roland Zeitler geht es in seinen Tests ja auch immer sehr gewissenhaft an...