SAUER S 202 SYNCHRO XC: Faszinierende Präzision in 6mm XC!!
Von Siegfried Pieper am 16. März 2016

Hallo zusammen bei GearTester,

ich habe seit ca. einem Jahr eine neue Büchse im Einsatz, welche ich euch hier vorstellen möchte: Die Sauer 202 in 6XC.
Ich bin kein Magnum-Kaliber Verfechter. Wer meine Kaliberportraits hier auf GearTester kennt, weiß, das die .270 WSM meine einzige Magnumpatrone ist uns sich sonst alles bei mir im Schrank eher unterhalb von 6,5mm abspielt. Die 6XC fungiert bei mir als schwaches Mittelkaliber für Rehwild und Raubzeug sowie als Kaliber für das sportliche Schießen. Die Büchse ist, um es vorweg zu greifen, in beiden Welten im erfolgreichen Einsatz.

Die Waffe im Detail:
Die Sauer 202 hat ja nun nach langer Zeit im Markt seine Ablösung mit der 404 gefunden. Umso erfreulicher jedoch, das nach wie vor, spezialisierte Varianten des Klassikers bei Sauer im Sortiment verbleiben - so auch die 202 XC. Sauer hat dabei als erster der großen drei Marken aus Isny, das Potential der Präzisionspatrone erkannt und sie entscheidend gefördert. Mittlerweile hat auch Blaser das Kaliber im Sortiment, was definitiv für die Patrone spricht.
Zurück zur Waffe. Die XC wird als Präzisionsbüchse beworben, was sich (zum Glück) nicht im klassischen Sinne in ihrem Äußeren widerspiegelt. Sie hat nichts von dem taktischen Design, welches man bei dem Begriff "Präzisionsbüchse" erwartet. Weder futuristische Schaftelemente noch Schienen zu allen Seiten, verunglimpfen die Ästhetik der eleganten 202. Für mich als Jäger ein echter Vorteil! Sie ist so ein echter Wolf im Schafspelz...

Die Sauer 202 ist ein echter Klassiker. Die Modellvariante 202 XC eine echte Bereicherung.

Über die 202 an sich, muss ich wohl eher weniger schreiben, da sie bereits so lange am Markt ist. Die Eckdaten: Das System ist aus Stahl und hochwertig gefertigt. Sechs Warzen verriegeln direkt im Lauf. Die Sicherung auf dem Kolbenhals zeigt an, ob sie scharf oder gesichert ist. Vor dem Abzug kann die Sicherung entsichert werden, was dem unerfahrenen 202 Nutzer erstmal ungewohnt vorkommt. Man gewöhnt sich aber dran! Die Waffe gibt einem die Möglichkeit des Laufwechsels und man kann den Schaft ebenfalls leicht durch einen Tuningschaft von GRS ersetzen. Alles Optionen, die für mich aber nicht relevant waren.
Ab jetzt gehe ich im Schwerpunkt auf die Besonderheiten der Ausstattung Des hier beschriebenen Modells 202 XC ein: Der Abzug hat einen kurzen Vorweg und steht dann extrem trocken bei 800 Gramm. Das Gewicht ist individuell einstellbar, so dass sich jeder damit wohl fühlt. Stecher ist hier völlig überflüssig! Die Waffe kommt mit einem wertig gearbeiteten 5-Schuss Magazin, welches ausreichend "Feuerkraft" bietet und im Falle eines Laufwechsels auch andere Mittelkaliber verdaut.

Die Ausstattung der 202XC ist durchdacht und auf höchste Präzision getrimmt.

Ein Ausstattungshighlight ist die höhenverstellbare Schaftbacke, Mit einem einfachen Multitool kann man diese präzise erhöhen, um perfekten Einblick ins Glas zu gewährleisten. Für mich ein absolutes Muss für eine Büchse für präzises Schießen. Weitere Besonderheit ist der sogenannte "Speedbolt" von Sauer. Dahinter steht eine große Kammergriffkugel von ca. 25mm Durchmesser. Sie lässt sich sehr gut greifen, was in der Tat das Repetieren erleichtert. Der Lauf der 202 XC hat eine unerwartet dünne Kontur, was sich aber nicht negativ auf die Präzision auswirkt. Der Drall ist 1:8 und stabilisiert deshalb alle Geschosse um die 100 Grain in Perfektion. Am Ende der 60cm Lauflänge befindet sich ein M15 Gewinde. Dies ist vorgesehen für die "Dual Brake" von Sauer oder eignet sich für die Montage eines Schalldämpfers. Die Bohrungen der Bremse lenken die Gase in Richtung des Schützen und mildern so den Rückstoß. Ich nutze jedoch einen Hausken JD 224, welcher auch in 6,5mm Durchmesser die Patrone zu einer .22 Hornet werden lässt. Siehe hierzu das Video, welches ich aufgenommen habe, um diese "Floskel" zu belegen! Ein 6mm Schalldämpfer würde die Dämpfungsleistung wohl noch ein kleines bisschen steigern. Der Test zum Hausken, gibt es HIER.
Bestandteil des Lieferumfangs ist zudem ein Harris Zweibein, welches ein absolutes Muss für den Schießstand bzw das Liegendschießen darstellt. Ich habe mir jedoch einen weiteren Vorderschaft bei Egun gegönnt und diesen mit einem Javelin Zweibein ausgestattet. Diesen nutze ich dann, wenn ich die Waffe vorwiegend auf der Ansitzjagd nutze. Dann wartet das Zweibein für den Fall der Fälle im Rucksack. Bei der Montage bin ich voll und ganz der Anleitung auf GearTester.de gefolgt. Hier geht es zum TEST und hier zur ANLEITUNG zur Montage.
Auf Grund des langen Laufes ist die Gesamtlänge der Waffe gut 115 cm und sie wiegt überraschende 3,8kg.

Das Kaliber:
Da die wesentliche Besonderheit das Modells, das Kaliber ist, verwende ich einen Absatz, um dieses etwas genauer zu beschreiben. Die 6XC ist eine Entwicklung der Firma Norma aus Schweden. Grundlage war die Benchrest-Patrone 6mm BR. Die bereits sehr präzise BR wurde noch einmal weiterentwickelt, um speziell bei Seitenwinden mehr Stabilität zu bringen. Dabei wurden auch an der Spezifikation der Waffe technische Eingriffe vorausgesetzt. So ist der Lauf im Zug- sowie Feldprofil etwas enger gestaltet.
Die Präzision spielt die Patrone, mit einer V0 von ca 860 bis 900m/sek (je nach Laborierung), vor allem jenseits der 300m aus. Grund für die erhöhte Flugstabilität ist die lange gehaltene Geschwindigkeit. Gerade im Vergleich zu einer .308 Matchpatrone wird dies deutlich. Wenn auf 300m der Unterschied im Geschossabfalls nur weniger Finger breit ist (Zu Gunsten der 6XC), wird es ab 600m frappierend. Während die .308 bereits in den Unterschallbereich fällt, hält die 6XC noch den nötigen Speed und somit Präzision.
Norma bietet mit der Diamond Line eine hervorragende Matchpatrone und mit dem Oryx und dem Ballistik Tip auch sehr gute Jagdlaborierungen an.

Auf dem Stand:
Ich habe mir die Waffe, wie bereits erwähnt, für die Jagd, als auch für das sportliche Schießen bis 1.000m zugelegt. Die Ergebnisse mit der Norma Diamond Line sind auf alle Distanzen überragend. Auf 100m sind Gruppen von unter 10mm wiederholbarer Standard. Rekord 5-Schuss-Gruppe (Gemessen von Schusslochmitte zu Schusslochmitte) liegt bei 5mm.

Kaum zu glauben, das eine solche Gruppe Standard sind.

Auf 300m sind bei guten Bedingungen Gruppen unterhalb der 30mm ebenso eine Standardleistung der Waffe. Die Diamond Line schafft in Ausnahmefällen sogar die 22mm. Das sind Ergebnisse, die sowohl mit der Diamond Line, als auch mit handgeladenen Hornady A-Max Geschossen herbeigeführt werden können. Es war ein tolles Gefühl, das Präzisionspotential dieser Waffe, das erste mal zu erleben. Das sind Tage auf dem Schießstand, die man mit den Worten enden lässt: "Diese Waffe gebe ich nie wieder her..."

Auch auf 300m bleibt man konstant unter 30mm. Auch bei 5-Schuss Gruppen.

Auf der Jagd:
Mit der Waffe wurde im Schwerpunkt auf Rehwild und Raubzeug gejagt. Von unschätzbarem Vorteil ist, das die Waffe mit dem Synchro Schaft absolut führig und somit jagdlich brauchbar ist. Sie ist deshalb keine reine Sportwaffe, sondern in beiden Welten zuhause. Mit dem Zweibein hat sie besonders auf der Pirsch überzeugt. Das Kaliber tut auf Rehwild sehr zuverlässig seinen Dienst und mit dem Norma Oryx ist es auch nicht sonderlich rabiat. Das Nosler BST, als auch das Hornady A-Max, sind da schon etwas gröber am Werk, gerade auf kürzere Distanz. Aber von den Wildbretverlusten ist alles im Rahmen der .243 Win.
Toll ist das Vertrauen in die Präzision, bei etwas weiteren Schüssen. Wenn man sie korrekt einschießt und die Klicks für weitere Schüsse gründlich ermittelt hat, steht einem Schuss auf weitere Distanzen nichts im Wege und ist bei Beherrschen des Gerätes auch vertretbar. Für weitläufige Rehwildreviere oder die Bergjagd ein absoluter Traum!

Als Jagdlaborierung schießt auch alles auf hohem Niveau. Hier die selber geladene A-Max von Hornady.

Fazit:
Die Waffe ist für mich ein absolut rundes Konzept. Ich kenne keine Büchse, die Longrange Schießen und jagdliche Anwendung so gut vereint. Dabei schreibe ich aus der Jägerperspektive und weniger aus dem Blickwinkel eines reinen Sportschützen. Die Ausstattung des Modells ist meiner Meinung nach sehr durchdacht und macht ausnahmslos Sinn. Nichts ist zuviel und nichts fehlt für die oben beschriebenen Anwendungen.
Das Kaliber mit der extremen Eigenpräzision im Zusammenspiel mit der extrem präzisen 202 XC sind aber natürlich das Hauptargument für diese Waffe. Es macht einfach nur zufrieden, wenn man derartige Gruppen schießen kann und auf 300m konsequent die Innen-10 hält (Wenn der Schütze mitspielt). Hochwertige Fabrikpatronen machen es nicht notwendig zu laden. Auch aus dem Regal schießt sie wie verrückt.
Ich empfehle jedem Präzisionsfanatiker und Jäger, welcher auch auf weite Distanzen agieren muss, diese Waffe und garantiere ein verdammt breites Grinsen auf dem Stand!!!

Kommentare

NZ - Deerstalker

Sehr cool fotografiert :)

Waidmann

Was ein geiles Teil! Super Bericht! Danke dir!

Bei der 6XC und dem JD224 hält sich das Herzflimmern bei einer Schussfolge doch sicherlich in Grenzen oder?!

Siegfried Pieper

@Waidmann
Das "Herzflimmern" resultiert ausschließlich aus der Freude am Schießen ;-)
Hitzeflimmern hat man jedoch. Insbesondere auf geschlossenen Ständen. Ich bin noch immer auf der Suche nach einem brauchbaren Überzug, der das in Grenzen hält. Wenn Du mal was hörst, gebe bitte bescheid...

Flo .

Die 6,5mm Beschränkung ist einfach Unsinn. Das beweisen unsere EU Nachbarn und auch die Physik wenn man sich mal etwas von Energieabgabe von Geschossen beschäftigt.
Weniger Rückstoß, besser treffen (Y)

@Leverman79

Gegen Hitze die hier:

https://www.sportingservices.co.uk/collections/t-a-b-gear/products/sas-suppressor-anti-mirage-shield

https://www.sportingservices.co.uk/collections/t-a-b-gear/products/sas-r-suppressor-cover

Siegfried Pieper

Sehr gut, danke Dir!!! Sieht gut aus die Produkte...

Flo .

Die sind gut. Dann aber bitte mit Testbericht @Leverman79

Siegfried Pieper

Aber selbstverständlich @Drl
Wenn Du sie erster hast, bist Du aber gefragt...

Max M

Hallo,
hast Du beim Schießen mit und ohne Schalldämpfer Präzisionsabweichungen feststellen können?
Wenn ja ab welchen Schussfolgen besonders?

VG
Jaga vo Äding

Siegfried Pieper

Hi @Jaga vo Äding, die Präzision ist mit oder ohne Schalldämpfer gleich gut! Die Gruppen sind und bleiben klein...
Die Treffpunktlage verändert sich jedoch signifikant. Die Abweichung ohne Schalldämpfer liegt bei 5cm links.

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