Ideale Einstiegsgläser für den Jungjäger? Das Minox BV 8×56 BR und Minox BL 8×56 ein Produkttestbericht
Von Deutscher Jagdblog, 01. März 2017

Ob Minox, bekannt für die weltberühmten Spionagekameras, auch Jagd kann? Wir wollten uns selbst überzeugen, und haben daher zwei Gläser im Format 8×56 einen längeren Zeitraum im Revier geführt. Getestet wurde die Praxistauglichkeit im Jagdalltag. Dabei gab es einige Überraschungen.

Jeder Jäger war zu Beginn Jungjäger, und der große Teil von uns stand und steht immer vor folgender Frage: Welche Leistungen muss die Jagdausrüstung für MEINE Form der Jagdausübung erfüllen? Nachdem diese Frage beantwortet wurde, begeben wir uns auf die Suche nach Produkten die diese Leistungen erfüllen und gleichen die Preise mit dem eigenen Budget ab. Für die Masse von uns fallen daher High-End-Produkte der Premium Anbieter unter die Kategorie – schön wenn man sie hätte, aber man ist nicht in der Lage oder bereit für geringe Leistungszuwächse vierstellige Zusatzbeträge auf den Tisch zu legen. Daher haben wir uns auf dem Markt umgesehen und zwei Einstiegsgläser aus dem Hause Minox im jagdlichen Alltag getestet.

Eines vorweg, mit dem BV und dem BL schein Minox unterschiedliche Ziele zu verfolgen. Beide zielen auf die Preis-Leistungsführerschaft in den jeweiligen egmenten, das BV im Einstiegssegment und das BL in der oberen Mittelklasse der Ferngläser. Auf den ersten Blick wirken beide Gläser aus dem Hause Minox sehr ähnlich. Beide eignen sich mit einer 8 fachen Vergrößerung und einer Eintrittspupille von 56mm zur Nachtjagd. Beide Gläser kommen in einem ansprechenden schwarzen Pappkarton, verfügen über Objektiv- und Okularschutzkappen und haben auch den gleichen Neoprentrageriemen. Ebenfalls sind beide Gläser für unter 1000€ im mittleren Preissegment ansässig. Damit sprechen beide Gläser auch die gleiche Zielgruppe, nämlich preisbewusste Jäger und Jungjäger an. Wir wollten daher wissen wo hier die praxisrelevanten Unterschiede liegen.

Die Minox Daten im Vergleich

Der erste Unterschied besteht natürlich im Preis. Mit 799 Euro ist das BL gegenüber dem BV mit 399 Euro bei Minox natürlich teuerer. Das BV bildet dabei bei Minox das unterste Preissegment der Nachtglas Familie. Mit 114m auf 100m verfügt das BV jedoch um ein 5m größeres Sehfeld. Im Nahbereich, dem Bereich ab dem Objekte scharf wahrgenommen werden können, fängt beim BV bei 2,5m an, während das BL bei 9m landet. Obwohl das BL von den Abmessungen etwas größer ist, ist es um 100g leichter. Das BV hat eine Stickstofffüllung, während das BL mit dem hochwertigen Argon gefüllt ist, einem Edelgas welches neben einer längeren Beständigkeit auch einen besseren Korrosionsschutz bietet. Die restlichen technischen Daten unterscheiden sich kaum.

Äußere Merkmale

Während beide Gläser über eine Gehäusegummierung verfügen, greift sich das BL auf Anhieb etwas besser. Die Haptik des BL fühlt sich klarer und abgerundeter an. Das BL liegt im direkten Vergleich besser in der Hand. Würde man jedoch beide Gläser nicht direkt nacheinander so im Detail fühlen, greifen sich beide Gläser präzise.Auf den zweiten Blick fällt jedoch auf, dass das BL hochwertiger verarbeitet ist. Dies zeigt die präzise Umrandung der Augenmuscheln des BL gegenüber dem des BV und der eleganteren Überleitung der einzelnen Bauteile. Ebenfalls sprechen die einstellbaren Baugruppen deutlicher und präziser bei der Bedienung an. Dies zeigt sich erstens beim Einstellen der Drehaugenmuscheln zum Dioptrienausgleich und zweitens bei der Betätigung des Fokussierrädchens. Insgesamt wirkt das BL klarer und ausgereifter und fühlt sich im direkten Vergleich in der Bedienung flüssiger an als das BV.

Im Waldrevier testeten wir die Leistungsfähigkeit beider Gläser unabhängig voneinander. Beide Gläser verfügen bei Tag über ein angenehm klares und farbechtes Bild, scharf und kontrastreich. Mit ausgefahrenen Augenmuscheln beschlagen die Gläser auch bei nassfeuchter Umgebung nicht. Alle Details lassen sich mit dem Glas bei Flora und Fauna klar erkennen, Wild lässt sich hervorragend ansprechen. Als Zwischenfazit lässt sich diesem Zeitpunkt festhalten, dass beide Gläser klar treue Begleiter im Revier sind. Einziges Manko bildete bei beiden Gläsern die identische Tragetasche, die im Gegensatz zu den Ferngläsern sehr billig wirkt. Mehr als eine einfache Schutztasche ist sie leider nicht. Es ist daher empfehlenswert beim Reviergang auf die Tasche zu verzichten. Bei schlechtem Wetter ist das Glas problemlos unter der Kleidung zu führen. Die zweckmäßigen Schutzkappen erfüllen ebenfalls ihren Zweck. Bei Regen, Schnee und Feuchtigkeit lassen sich beide Gläser gut greifen und sind auf dem Ansitz auch mit Handschuhen einwandfrei zu führen.

Erst im direkten Vergleich erkennt man einen kleinen Vorteil beim BL in der Bildqualität. Eine leicht verbesserte Randschärfe und ein etwas höherer Kontrast lassen das Bild klarer erscheinen. Die Unterschiede im Sehfeld fallen in der Praxis kaum auf.

Das bessere Nachtglas

Auch hier eignen sich beide Gläser. Bei Mondschein sind beide Gläser lichtstark und erzeugen ein für den Nachtansitz kontrastreiches Bild. Durch die gute Lichttransmission eignen sich beide Gläser fast unterschiedslos für einen langen Ansitz bis weit in die Dämmerung. Im Mondschein lässt sich Wild definitiv durch das gute Bild erkennen. Für ein einwandfreies Ansprechen ist natürlich wie immer ein kontrastreicher Bildhintergrund von Vorteil. Dabei zeigte das BL wiederum im direkten Vergleich zum BV seine Vorteile. Vor einem dunklen Bildhintergrund erzeugt das BL ein kontrastreicheres Bild. Dies ist von Vorteil wenn beim Ansitz wechselndes Wild am Waldrand eräugt und angesprochen werden soll. Wird der Nachtansitz von der Kanzel auf eine Lichtung oder eine Wiese durchgeführt, ergibt sich bei beiden Gläsern ein gutes Bild. Gegen dunklen Bewuchs bei Nacht aber erzeugt das BL einen besseren Kontrast.

Auf der Waldlichtung fiel darüber hinaus auf, dass beim Blick gegen den Mond das BV etwas mehr blendet, während beim BL das Bild deutlicher mit geringeren Blendwerten wiedergegeben wird. Beim Blick mit dem Mond wirkt das BL wie bereits angesprochen kontrastreicher und bei Nacht damit einfach klarer. Das BL ist in dieser Preiskategorie ein wirklich beeindruckender Nachtschwärmer.

Fazit

Überrascht haben beide preiswerten Gläser durch das klare Bild beim täglichen Gebrauch im Revier. Das BL rechtfertigt seinen höheren Preis besonders durch die Verarbeitung und Haptik, sowie das klarere, kontrastreichere Bild insbesondere bei der Nachtjagd. Wer auf die einfach wirkende Tragetasche verzichten kann ist mit beiden Gläsern sehr gut bedient. Die robusten Gläser sind die idealen Begleiter und bieten für vergleichsweise wenig Geld zuverlässige Leistung und solide Verarbeitung. Das BL ist für günstige 800 Euro der ideale Revierbegleiter bei Tag und Nacht. Mit den gezeigten Leistungen ist das Glas auch ohne weiteres in der Lage mit 400-500 Euro teureren Konkurrenzprodukten mitzuhalten. Überrascht hat uns die Praxistauglichkeit des BV, für die 400 Euro bekommt man mehr Fernglas als man es im ersten Augenblick erwartet. Das Glas zeigt deutlich, dass preiswert nicht gleich billig sein muss. Waidmannsheil wünscht euer Team Deutscher Jagdblog

Optik

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