Kaliberportrait: .270 WSM
Von Siegfried Pieper am 9. Februar 2015

Moin Moin bei Geartester,

ich möchte euch heute ein Kaliber vorstellen, die .270 Winchester Short Magnum (WSM). Dabei will ich euch ein paar Hintergrundinformationen aber vor allem meine persönlichen Erfahrungen mit der Patrone schildern. So kann jeder hier in der Community prüfen, ob das etwas für ihn wäre, oder auch nicht.

Geschichte:
Die Patrone wurde erst 2002 von Winchester eingeführt. Sie ist das dritte, jemals in Serie produzierte Kaliber mit dem Geschossdiameter .277. Die technische Herkunft der Patrone ist die .300 WSM, welche auf den kleineren Diameter eingezogen wurde. Die Amerikaner sprechen dabei von "Neck Down". Als Ursprung der WSM Patronen gilt wiederum die .404 Jefferey.

Ballistik:

Der Vorteil gegenüber der regulären .270 Winchester ist die höhere Geschwindigkeit bei gleichem Geschossgewicht. Ich selbst habe mindestens 70 m/sec mehr gemessen, bei gleichem Geschoss. Sie bietet generell eine gute Balance zwischen Geschwindigkeit, gestreckte Flugbahn und Rückstoß. Die Geschossgeschwindigkeit von 130 (8,4g) und auch 140 Grain (9,1g) Fabriklaborierungen liegt um die 1.000 m/sec. Die langsamste von mir gemessene Laborierung war die 150 Grain Norma Oryx. Hier ein Überblick an Fabriklaborierungen:

- Federal mit Nosler Accubond 140 grain (9,1g) = 1009 m/sec
- Federal Fusion 150 grain (9,7g) = 981 m/sec
- Norma mit Nosler Ballistic Tip 130 grain (8,4g) = 999 m/sec
- Norma Oryx 150 grain (9,7g) = 912 m/sec

Was bedeutet das für die Praxis? Die Norma mit dem Ballistik Tipp Geschoss fällt bei eingeschossen auf 100m Fleck unglaublich wenig auf weite Distanzen. Das Geschoss fällt auf 300m lediglich 28 cm und kommt dort noch immer mit 774 m/sec an. Das sind wiederum noch gut 2500 Joule! Das bringt natürlich massive jagdlche Vorteile, aber dazu gleich mehr. Werft einen Blick auf die Ausgabe des Norma Ballistik Rechners:

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Zur Präzision der Patrone ist folgendes zu sagen: sie ist auf einen 1-10`` Drall ausgelegt und schießt deshalb meiner Erfahrung nach mit den 130 grain Geschossen am besten. Beste Patrone, die ich je schoss, ist die Ballistik Tip von Norma. Diese hält aus meiner NOSLER CUSTOM die 50mm auf 300m konstant. Ich bin jedes Mal wieder begeistert. Wenn jemand Wiederlader ist, sollte er die H-Mantel in 130 grain verladen. Diese ist in Punkto Präzision auf dem Niveau der BST. Die anderen RWS Produkte sind tendenziell etwas schwer, insbesondere die EVOLUTION, mit 154 Grain.

Jagd:
Die .270 WSM ist die einzige Magnum bei mir im Schrank, da ich für den alltäglichen Gebrauch, ein Verfechter von moderaten Mittelkalibern bin. Ich nutze die Patrone aus einer sehr leichten Custom Waffe meist nur, wenn es weit raus geht und dann vorwiegend mit dem Ballistic Tip. Ich hatte sie auf Reisen mittlerweile oft dabei, weil sie auf die Distanz unglaubliche Augenblickswirkung entfaltet. Ganz gleich ob schottisches Rotwild oder in den Bergen, die Stücke gehen schnell an den Boden und so schätze ich es im Ausland. Natürlich, auf Grund der Kombination von Geschossgeschwindigkeit und Geschossaufbau und zu Lasten des Wildbrets. Ich habe die Waffe einmal auf heimisches Rehwild dabei gehabt und unter 150m war die Wirkung extrem. Das Stück lag aufgebrochen da, ohne dass ich mehr als einen Finger gerührt habe. Das sollte man besser nicht machen. Aber auf stärkeres Wild wie Sauen oder Rot- und Damwild war die Patrone auch hier zu Lande einsetzbar aber nicht ideal auf Grund der hohen Geschwindigkeit. Wichtig zu beachten: Wenn die Distanzen kurz sind, ist die Ausschusswarscheinlichkeit gering, da das Geschoss schnell und stark deformiert.
Neben der ballistischen Vorteile, war es noch Ziel der Entwickler eine Patrone zu bauen, welche maximale Leistung aus möglichst kurzen Systemen bietet. Das wiederum soll Gewicht auf der Waffenseite sparen. Meine Waffe hat ein solches Kurzsystem, was einer der Gründe für das Geringe Gewicht der Waffe ist. Unsere deutschen Hersteller bieten diese verkürzten Systeme in der Regel nicht an, da muss man ein wenig gucken. Oft sind die Magazine dann genauso zu lang wie die Auswurfsfenster bzw. das ganze System. Seht euch das Bild der Nosler Custom an, welches ein echtes Kurzsystem hat.

Fazit:
Die .270 WSM ist eine extrem rasante und hoch wirksame Patrone, welche auf Distanz unglaubliche Performance zeigt. Die Augenblickswirkung gibt mir insbesondere im schwierigen Gelände oder auf der Auslandsjagd die Sicherheit, die Stücke schnell zu finden. Auf kleines Wild und auf kurze Distanzen ist sie zu aggressiv und man muss Wildbretentwertung in Kauf nehmen. Als optimales Geschoss für die Anwendung auf die Distanz empfehle ich die Norma mit dem Ballistic Tip oder die H-Mantel als Handlaborierung. Wenn man eine .270 WSM "zähmen" möchte, um sie auch für den Gebrauch auf schwaches Wild oder auf kurze Distanzen brauchbar zu machen, empfehle ich die Norma Oryx oder andere härtere Geschosse.
Ein Nachteil hat die .270 WSM jedoch, welchen ich hier nicht verschweigen möchte. Die Patrone ist sehr dick und Reihenmagazine bieten deshalb meist nur wenig Kapazität. Auch hier sind die amerikanischen Zickzack Magazine genau wie die echten Kurzsysteme unseren deutschen Herstellern überlegen. Also: eine .270 WSM ist am besten in einer hochwertigen US Waffe zu hause, womit ich auch beste Erfahrung gemacht habe.

Mein Geartester Bericht zu der dazu gehörigen Waffe findet ihr HIER!

PS: Ich bin gespannt auf eure Kaliberportraits! Was schießt ihr und warum? Von den Erfahrungen Anderer kann man nur lernen...


Kommentare

Dreiviertelmond

Sehr interessanter Berich! Ich bin ja ein großer Fan meiner normalen .270 Win.

Aus welcher Lauflänge hast du die Geschwindigkeiten deiner .270 WSM gemessen?

Wie würdest du den Rückstoß aus deiner leichten Waffe beschreiben?

Deutscher Jagdblog

Topp Beitrag, wir teilen Deine voll und ganz!

Sissi van B.

Toller Text - selbst ich als Ballistiklaie habs kapiert und bin nun schlauer!

Siegfried Pieper

Danke für das schöne Feedback!!! Bin auf eure Portraits gespannt...

@ Dreiviertelmond: Ich habe eine 56cm Lauf auf einer nur 2,73 kg schweren Büchse. Das spührt man schon. Meine Nosler hat aber eine sensationelle Schaftkappe, so das es absolut handlebar bleibt...

Siegfried Pieper

@Dreiviertelmond: Wenn Du eine .300er aus einer leichten Waffe verträgst, ist das auch kein Problem. Ist halt eher "kickend" als "schiebend"...

Dreiviertelmond

Danke für die Info!
Interessant, dass die Short Magnums anscheinend wirklich gute Geschwindigkeiten aus 56cm läufen erreichen.
Ich muss allerdings zugeben, dass eine .300er aus einer leichten Waffe meine Schmerzgrenze schon überschreitet ;-)

Gerald Auer

Ich schiesse die 270WSM in einer Tikka mit 135er Core Lokt Remongton und bin mit der Combi sehr sehr zufrieden. Weite als auch Nahe Distanz. So gut wie keine Wildbretentwertung.

Dann noch die 300WSM in einer Blaser R8 Prof Success mit Barnes TTSSX 150....ohhhh Mann....nur nicht zu Nahe sonst musst du 2mal gehen ! ...

Franz Baumann

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