Ruger M77 Mark II Compact Rifle in .308 Win.
Von campfire am 19. April 2016

10 Jahre - Zeit für eine Bilanz
Seit 2006 führe ich u.a. eine Ruger M77 Mark II Compact Rifle in rostfreier Ausführung im Kaliber .308. Zunächst als robuste Drückjagd-Alternative zur K95 angeschafft, verdrängte die überaus führige Waffe nach und nach sowohl die K95 als auch meine anderen Waffen weitestgehend aus dem Revier bzw. Waffenschrank.
Herzstück der M77 ist ein fertigungstechnisch überarbeitetes 98er System, das im Gussverfahren aus rostfreiem Stahl hergestellt ist, dabei sind die wesentlichen Merkmale des 98ers erhalten geblieben: langer Mauserauszieher und horizontale 3-Stellungs-Schlagbolzensicherung. Die Sicherung ist sperrt den Abzug und die Kammer und mit, genial einfach konstruiertem, Eingreifen des Sicherungshebels in eine Ausfräsung der Schlagbolzenmutter ist auch der Schlagbolzen für den Fall der Fälle festgelegt, in der Mittelstellung lässt sich die Kammer zum Laden und Entladen öffnen. Die Bedienung ist nicht ganz lautlos, aber mit etwas Geschick lässt sich der Hebel nahezu los bedienen. Die Kammer führt Patronen als „Controlled Round Feed“ zu, d.h. die Patrone wird bereits im Magazin vom Auszieher gefasst. Das ist sehr zuverlässig und lässt auch das Repetieren „über Kopf“ zu. Beim System handelt es sich um ein echtes Kurzsystem bis max. Kaliber .308, was ca. 2 cm Waffenlänge und einige Gramm an Gewicht spart.
Die Waffe verfügt über ein 4-Schuß-Magazin, das fest eingebaut ist und sich über eine Klappe nach unten entleeren lässt. Mit 1 Patrone in der Kammer stehen also 5 Schuss zur Verfügung. Der Magazindeckel schließt völlig klapperfrei und sicher.
In das System ist ein 16,5 inch langer Lauf (42 cm) mit einem Mündungsdurchmesser von 13 mm eingeschraubt, was der Waffe ihre unglaubliche Führigkeit mit einer Gesamtlänge von nur 89 cm beschert. Kunststoffteile zur Gewichtsreduktion sind Fehlanzeige, nur Stahl und Holz, das einzige Kunststoffteil ist das Pistolengriffkäppchen. Das Gesamtgewicht der Waffe beträgt nur 2,6 kg – das ist Kipplaufbüchsenniveau – aber 5-schüssig ….
Eine offene Visierung ist nicht vorhanden. Dafür kommt jede Rugerbüchse ab Werk mit einer 1“- Ringmontage für Zielfernrohre bis 42 mm Objektivdurchmesser. Die Montage ist absolut idiotensicher zu montieren, schußfest und vergleichsweise wiederholgenau, so dass auch Optiken gewechselt werden können ohne jagdlich relevante Treffpunktverlagerung. Wird eine höhere Montage benötigt, so muss nur ein Ring nachgekauft werden, da die Ringe unterschiedliche Höhen haben und sowohl auf der hinteren als auch auf der vorderen Base verwendet werden können. Genial einfach ! Montiert habe ich aufgrund der Robustheit und des geringen Gewichts ein Leupold VX-2 3-9x40 mit Absehen 4.
Der Abzug ist ein einfach konstruierter Flintenabzug, der keinerlei Vorweg aufweist und bei ca, 1800g bricht. Für Stecherschützen sich zu viel, hier kann ein Büchsenmacher oder ein Timney Abhilfe schaffen, bei mir blieb es beim Originalabzug. Die gute Abzugsgeometrie lässt das Abzugsgewicht geringer erscheinen.
Ausgestattet ist die Waffe mit einem grauen Laminatschaft, der in der MkII Ausführung noch ohne Fischhaut geliefert wurde (beim neuen Modell „Hawkeye“ hat der Schaft eine Fischhaut). Die Schaftlänge beträgt nur 32 cm, da die Waffe ursprünglich als „Jugendbüchse“ konstruiert wurde. Für kleinere Jäger oder Jägerinnen sicher ausreichend, ich habe mit einer 2,5 cm Schaftkappe die Länge auf 33 cm verlängert. Zunächst war diese kurze Schaftlänge ungewohnt, nach einiger Zeit der Gewöhnung ist es nun umgekehrt – ich komme mit den üblichen deutschen Schaftlängen von 36-37 cm nicht mehr zurecht. Gerade im Winter sind kürzere Schaftlängen beim schnellen Anschlag vorteilhaft. Der Schaft ist klassisch gerade ausgeformt ohne Backe und Schnickschnack. Die Schaftgestaltung ist der Gesamtlänge der Büchse angepasst, so dass das Gesamtbild stimmt – hier wurde nicht nur einfach der Lauf gekürzt.
Die Schussleistung ist naturgemäß nicht zum „Löcherbohren“ geeignet – hier handel es sich schließlich um eine robuste Gebrauchswaffe. Unter jagdlichen Bedingungen geschossene Streukreise können unter 4 cm gehalten werden, am Schießstand auch deutlich darunter. Naturgemäß schießen kurze Läufe prinzipiell besser als lange, da sie weniger Schwingen.
Und wie viel Energie bleibt bei 42 cm Lauflänge am Ende noch übrig??? – Nun gemessen habe ich es nicht – nur so viel: Bisher war es ausreichend, ich fühlte mich nie „undergunned“.
Geführt wurde die Ruger M77 Mark II Compact Rifle bei allen Jagdarten rund 320 Stück Schalenwild u.a. Elchwild, Rotwild, Damwild, Schwarzwild, Muffelwild, Rehwild vom 6 kg Kitz bis zum 320 kg Elch kamen zur Strecke. Geschossen habe ich das 9,7 g MEGA von Lapua.
Der Preis betrug 2006 nur 849 € incl. Montage. Heute ist das Nachfolgemodell für rund 1000 € bei einigen Importeuren zu haben, mit Lieferzeiten ist allerdings zu rechnen da die wenigsten diese Waffe vorrätig haben dürften.
Fazit: Wer eine robuste, wenig pflegeintensive, leichte und führige Waffe sucht, für den ist die Ruger

campfire
Enthusiast

Kommentare

Hans Forstmann

@campfire: Kannst Du uns noch was zum Glas schreiben? Suche auch eines für eine Allwetterbüchse und die VX haben ja einen sensationellen Preis. Vielleicht schreibst Du uns dazu auch nochmal was. Leicht und robust klingt ja schon genau richtig...

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