Anschütz Geradezugrepetierer 1727F
Von David Sonneck am 25. Juni 2015

Liebe Geartester,

jagdlich bin ich im Niederwildrevier meines Großvaters am Niederrhein aufgewachsen und daher von Beginn an mit der intensiven Raubwildbejagung vertraut. Diese Leidenschaft habe ich auch später mit der .22 Hornet meines Großvaters beibehalten. Heute möchte ich Euch meine Anschütz 1727F im Kaliber .17 HMR vorstellen.

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Durch den Schießsport, sind mir die Luft- und Kleinkalibergewehre von Anschütz schon lange ein Begriff. Über das Randfeuerkaliber .17HMR habe ich in der Vergangenheit schon einiges gelesen und gehört, jedoch noch nie eine Waffe in diesem Kaliber geführt bzw. jagdlich einsetzen können. Als ich mir den Anschütz Geradezugrepetiere im Kaliber .17HMR zugelegt habe, hatte ich mich im Vorfeld über das Kaliber informiert: Kleiner, schneller und giftiger als die gute alte Hornet.

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Anschütz ist vielen aus den Bereichen Sportschießen, jagdliche Klein- und seit einigen Jahren auch wieder Großkaliberbüchsen und natürlich aus dem Biathlonsport bekannt. Darf man der Homepage des Ulmer Herstellers Glauben schenken, dann schießen 97% aller Biathleten mit Anschütz Gewehren. Dies wird hinsichtlich Qualität und Präzision sicherlich seine Gründe haben.

Der kugelgelagerte Verschluss dieses Geradezugrepetierers entspricht dem Verschluss der Biathlongewehre und läuft entsprechend leicht, bedienerfreundlich und schnell. Auch der serienmäßige Jagdschaft mit deutscher Backe liegt im ersten Anschlag sehr gut. Der große Vorteil der 1727F im Vergleich zu anderen Geradezugrepetierern liegt darin, dass der Daumen während des Repetiervorgangs nicht vom Verschluss genommen werden muss. Der Daumen bleibt immer am Ende des Verschlusses. D.h. die Hand ruht während des gesamten Repetiervorgangs am Pistolengriff. Dies ermöglicht unwahrscheinlich schnelles Schießen. Für mich positiv ungewohnt, war der Matchabzug mit einem Abzugsgewicht irgendwo bei 400g, der jedoch auch deutlich schwerer bzw. leichter, d.h. bis zu 90g Abzugsgewicht eingestellt werden kann. Wer Anschütz vom Sportschießen her kennt, weiß um die Qualität der Gewehre.

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Die zwei serienmäßigen Füße mit 11m Prismenschiene erlaubt ein schnelles, individuelles und unkompliziertes Montieren von Zielfernrohren mittels einfacher Aufschubmontage.
Die ersten Besuche auf dem Schießstand waren beeindruckend. Die Präzision der Büchse ist unwahrscheinlich und übertrifft meine alte Hornet bei weitem. Dem Kaliber .17 HMR wird oft nachgesagt hinsichtlich der Munition stark losabhängig und sehr windanfällig zu sein, sowie aufgrund der hohen Rasanz den Lauf zu verschmieren. Alle drei Kritikpunkte wollte ich überprüfen.
Die Präzision kann tatsächlich abhängig von der optimalen Kombination aus Gewehr und Munition sein. Jedoch ist selbst bei schlechterer Munition das Schussbild jagdlich immer noch sehr gut. Andererseits muss man jedoch auch berücksichtigen, dass man gerade im Bereich der Kleinkaliberbüchsen über einen anderen Maßstab der Präzision spricht. Mit der passenden Munition konnte ich wiederholbar Schussbilder von 13-15mm Außendurchmesser bei 4 Schuss erreichen. Mit weniger gut passender Munition, sind die Schussbilder entsprechend aufgegangen.
Die Anfälligkeit dieses Kalibers auf starken Seitenwind habe ich auf dem Schießstand getestet:

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Diese hält sich in Grenzen und ist jagdlich sicherlich vertretbar. Inwiefern so ein Test auf dem Schießstand bei starkem Wind repräsentativ für die Jagdausübung ist, wo doch im Revier durch z.B. unterschiedlichen Bewuchs die Flugbahn auch unterschiedlich beeinflusst werden kann, muss dahingestellt bleiben, schließlich heißt es nicht umsonst „Jagd der Wind, bleibt der Jäger zuhause“. Fakt ist jedoch, dass die .17 HMR mit 15,5gr, 17gr oder 20gr in der Regel sehr leichte Geschosse verwendet, während das Kaliber .22 Hornet Geschossgewichte von um die 35gr verwendet.

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Im Laufe des Tests habe ich mit dem Geradezugrepetierer von Anschütz weit über 300 Schuss geschossen. Präzisionsverluste oder ein verschmieren des Laufs konnte ich nicht feststellen.

Erst im jagdlichen Einsatz spielt die Kombination aus rasantem Randfeuerkaliber und Biathlon-Jagd-Match-Büchse ihre Vorteile aus:
Schussentfernungen von 100m - 150m sind problemlos möglich. Die .17 HMR bringt deutlichmehr Energie und somit Leistung als die gute alte .22 Hornet mit. Der schwere Anschütz-Lauf und der Match-Abzug sorgen für die Präzision. Geschossen habe ich mit der V-Max Patrone von Hornady, die mit ihrer hervorragenden Stopwirkung deutliche Spuren bei den Krähen hinterlassen hat. Daher verzichte ich hier lieber auf Bilder.

Während der letzten Rantz konnte ich auch zwei Füchse erlegen. Aufgrund des kleinen Vollzerlegungsgeschosses von Hornady konnte ich den schönen Winterbalg hervorragend verwerten. Um etwas Reserve bei weiteren Distanzen zu haben, habe ich hierfür auf das schwerere 20gr Geschoss gewechselt.

Fazit:
Die 1727F ist eine gelungene Waffe mit einem wahnsinnig schnellen und aus dem Biathlon bekannten Geradezugsystem. Der Matchabzug und die Präzision der Waffe sind exzellent. Das Zusammenspiel aus rasantem Kaliber und Jagd-Biathlon-Match-System stellen gerade für die Raubwildbejagung auf weitere Distanzen eine hervorragende Kombination Made in Germany dar. Einziger Wehmutstropfen an der Anschütz 1727F ist das fehlende 10-Schuss Magazin.
Alles in Allem eine super präzise und gelungene Geradezugbüchse, die sicherlich ihre Anhänger im Bereich der Jagd und des jagdlichen Schießens finden wird. Ich kann diese KK-Büchse aus von den „Meister machern“ aus Ulm absolut empfehlen.

Informationen zur Büchse finden sich auch direkt beim Hersteller auf der Anschütz website:
http://jga.anschuetz-sport.com/index.php5?produktID=808&menu=109&sprache=0&produktShow=detail
Bei bisher weit über 300 Schuss funktionierte die Waffe einwandfrei. Die Präzision und Verarbeitung der Waffe sind hervorragend und mit dem Deutschen Schaft zeigt ANSCHÜTZ auch, dass sie auch „Jagd können“.

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Meine Empfehlung lautet daher: Daumen hoch für die Anschütz 1727F und ich kann jedem nur empfehlen diesen Geradezugrepetierer beim Händler seines Vertrauens mal unter die Lupe und v.a. in die Hand zu nehmen und zu schießen.

Waidmannsheil

Euer Jan

Kommentare

Waidmann

Klasse! Super Beitrag, sowas ließt man gerne!
Ich liebäugle schon seit längere Zeit mit einer Büchse in dieser Kalibergruppe.
Ich werde meinen BM des Vertrauens gleich mal anrufen und fragen ob er einer zur Ansicht da hat!

Jan Hüffmeier

Die ANSCHÜTZ habe ich auch schon länger im Visier!! Klasse Beitrag.....werde sie wohl die nächsten Wochen mal beim Händler schießen!

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