Unboxing und Erfahrungen mit der FLIR Scout II 240
Von Patrick Braun am 23. August 2016

Liebe Waidkameraden, hier ist mein erster Einstandsbericht auf dieser Seite mit Unboxing und ersten Erfahrungen zum Wärmebildgerät Scout II 240 von FLIR.

Die Verpackung des Geräts ist kompakt, stabil und macht einen wertigen Eindruck.





Nachdem Öffnen der Verpackung stechen einem sofort zwei kleine Infoblätter ins Auge:

Bei dem ersten handelt es sich um eine Schnellstartanleitung und bei dem zweiten um die Bestätigung über die Einhaltung der EU-Standards.



Nachdem ich die beiden Blätter zur Seite gelegt habe kommt endlich das wesentliche:

Das eigentliche Objekt der Begierde - das Wärmebildgerät. Daneben befindet sich eine Tasche für Transport und Aufbewahrung.



Als ich das Gerät zum ersten mal aus der Packung nehme fallen mir zwei Dinge ganz besonders auf:

Das Gewicht und die Größe. In Anbetracht dessen, dass das Gerät an sich kaum größer ist als eine 0,33 l Getränkedose und größtenteils aus Kunststoff besteht, habe ich nicht erwartet dass das Gewicht bei ca. 340 g liegt. Versteht mich nicht falsch, ich bin keineswegs enttäuscht, sondern positiv überrascht. Die Ummantelung aus Gummi macht alles griffig, stabil und in Kombination mit Größe und Gewicht merkt man vor allem eines: Man hat ein qualitativ hochwertiges Stück Technik in der Hand.

Mir stellt sich die nächste Frage: WO ist das Zubehör und was bekomme ich wirklich für mein Geld?

In der Eingangs erwähnten Tasche befindet sich alles was man benötigt und auch Sachen, welche - für mich persönlich - überflüssig sind:

- Netzteil mit USB-Slot
- Steckeradapter für das Netzteil mit verschiedenen Länderstandards
- USB-Kabel zum Laden und für Einstellungen und Firmware-Updates via PC (dazu später mehr)
- Eine Handschlaufe





Nun will ich zu den Spezifikationen des Gerätes kommen und euch mal sagen was es kann und was es nicht kann:

Die Zahl "240" im Namen des Geräts stehen für die Auflösung welche der Mikrobolometer liefert. Im Fall des Scout II 240 also 240 x 180 pixel. Die Produktpalette von FLIR umfasst in der Scout II - Serie drei verschiedene Geräte, welche ich mir im Geschäft zum Vergleich angesehen habe. Die beiden anderen Geräte aus der Scout II - Serie sind mit drei verschiedenen Auflösungen der Mikrobolometer erhältlich: 336 x 256 pixel und 640 x 512 pixel. Die Auflösung des Bildschirmes im Gerät ist mit 640 x 480 pixel bei allen dreien identisch.

Bei der Scout II 240 handelt es sich aus dieser Serie um das "Einsteigermodell", welches dadurch leider nicht die Features der "großen Brüder" aufweisen kann:

Digitalen Zoom: Kann es nicht. Man beachte aber, dass ein digitaler Zoom im Gegensatz zu einem optischen Zoom die Auflösung verschlechtert. Da die Auflösung bei diesem Gerät allerdings schon sehr niedrig angesetzt ist, macht es in meinen Augen auch keinen Unterschied ob ich warme Objekte nicht erkennen kann weil sie zu klein sind oder ob ich sie nicht erkennen kann, weil ich durch die verschlechterte Auflösung nur noch einen Pixelhaufen zu sehen bekomme.

Die Erkennungsdistanz für Objekte mit etwa 180 cm Größe ist vom Hersteller mit 340 Metern angegeben. - Diese Angabe ist meiner Meinung nach durchaus realistisch. Hier gilt wie bei regulären Optiken auch: der Objektivdurchmesser (Scout II 240 mit 13 mm) macht den Unterschied. (Scout II 320 ca. 460 Meter und Scout II 640 ca. 1140 Meter)



Mir persönlich war wichtig, dass das Gerät verschiedene Polaritäten unterstützt.
Vorweg: Aus der Scout II - Serie können das alle.
Was heißt das? - Ein Wärmebildgerät erzeugt keine konventionellen Bilder, sondern Bilder welche im Spektrum des für das Menschliche Auge unsichtbaren Infrarot liegen. Jede Wärmequelle strahlt dieses "Licht" ab und die WBK wandelt dies entsprechend in ein sichtbares Bild um. Unter der genannten "Polarität" versteht man also in welcher Form das Bild ausgegeben wird. In der Standardeinstellung werden warme Objekte weiß und kalte Objekte schwarz dargestellt. Dies geschieht allerdings in Abstufungen: Je wärmer desto heller, je kälter desto dunkler. In manchen Situationen kann es aber von Vorteil sein, wenn sich die Polarität umkehren lässt und warme Objekte somit schwarz und kalte eben weiß dargestellt werden.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das sogenannte "InstAlert" zu aktivieren. Ist dieser Modus aktiv, werden Wärmequelle mit besonders hoher Temperatur rot dargestellt. Es gibt vier Abstufungen in diesem Modi, welche im Display mit dem Kürzel "I1" bis "I4" angezeigt werden. Das Prinzip ist bei allen Modi das selbe, es ändert sich lediglich die Sensibilität. Beispiel: Im Modus "I1" werden Wärmequellen erst ab 35 Grad rot dargestellt, in "I2" schon ab 30 Grad usw. - Eine genaue Festsetzung gibt es hier aber nicht, da sich das Gerät von Zeit zu Zeit automatisch auf die entsprechende Umgebungstemperatur kalibriert. Die Kalibrierung erfolgt grundsätzlich in jedem Modus, sonst würde man aufgrund der schwankenden Umgebungstemperatur irgendwann nur noch weiß oder schwarz sehen. Ist "InstAlert" aktiviert, leidet darunter der Kontrast und die Bildqualität, schaltet man aber auf den regulären Betrieb um, ist sofort wieder das normale Bild mit entsprechend besserer Qualität zu sehen.

An der Vorderseite des Gerätes befindet sich über dem Objektiv eine LED, welche sich als "Taschenlampe" benutzen lässt. Braucht man das? Nein. Kann in manchen Situationen aber ganz nützlich sein.



Ein weiteres gutes Feature ist "Auto Shutdown". Werden 5 Minuten lang keine Tasten betätigt, schaltet sich das Gerät ab. Man kann also den Akku nicht leeren nur weil man vergisst auszuschalten.

Die Bedienung ist kinderleicht, da das Gerät mit lediglich vier Tasten auskommt:

- ein/aus
- Display-Helligkeit / im ausgeschalteten Zustand "Taschenlampe"
- Polarisation
- Standbild (bei den größeren Modellen der Serie dient diese Taste auch für Fotos, Videos und für den Zoom)

Mich störte anfangs, dass bei der Betätigung einer Taste alle rot leuchten. Auf der Website des Herstellers gibt es ein Utility-Programm sowohl für PC als auch für Mac mit welchem sich die Firmware aktualisieren lässt und auch kleinere Einstellungen am Gerät selbst. Dies funktioniert alles über einen einzigen USB-Slot, welcher auch zum Aufladen des Gerätes dient:





Folgende Einstellungen lassen sich mit der Software - und auch wirklich nur mit der Software - ändern:
- Das Zeitintervall für Auto-Shutdown
- Tastenbeleuchtung Aus/Ein
- Ein anderes Farbspektrum für "InstAlert" (Farbe ändert sich von rot zu orange und nur noch ein Modus)
- Firmware-Aktualisierung

Bisher hatte ich die Wärmebildkamera zwei mal im Revier im Einsatz und ich möchte sie nicht mehr missen.
Vorweg: Zum Ansprechen taugt eine WBK nur bedingt. Man kann bei Rehwild bis etwa 70 Meter noch Bock und Ricke unterscheiden aber mehr auch nicht. Bei anderen Geweihträgern dürfte das vielleicht noch weiter klappen, dies kann ich aber (noch) nicht beurteilen. Einen Hasen konnte ich bei völliger Dunkelheit noch auf etwa 80 Meter als solchen ansprechen. Mäuse sind in 50 bis 60 Meter vom Sitz entfernt noch als weiße wuselnde Punkte im Gras zu sehen.

Wieso habe ich mich für dieses Modell entschieden und wieso für ein Wärmebildgerät und nicht für ein Nachtsichtgerät?

Nun, es ist mitunter natürlich auch eine Preissache. Mit 1990.- € ist das FLIR Scout II 240 eines der günstigsten dieses Herstellers. Ich kann damit nicht zoomen, keine Fotos oder Videos machen und auf weiter als 320 Meter keine Wärmequellen in Menschengröße mehr sehen, aber: brauche ich das? - Nein. Ich will einfach mehr sehen und auch bei schlechtem Licht oder in Dunkelheit sehen können ob und was da ist. Ich habe mir das Gerät gekauft, weil ich damit auf die Jagd gehen will und nicht weil ich vermisste Personen suche oder ich im Kriegsgebiet einen Feind aufspüren muss, Fotos liefert die Wildkamera und Videos brauche ich nicht. Eine WBK hat außerdem einen großen Vorteil den Nachtsichtgeräten gegenüber: Ich benötige keinerlei Restlicht, keinen Infrarotaufheller welcher vom Wild evtl. gesehen werden kann. Für mich aber der größte Vorteil: Ich kann die WBK auch tagsüber benutzen um zu sehen ob hinter Busch A oder Strauch B ein Stück steht welches eine Wärmesignatur abgibt, welches mit dem Fernglas vielleicht gar nicht oder nur mit Glück zu sehen ist. Ich kann jedem empfehlen sich so ein Gerät zuzulegen. Probiert die Geräte vorher aus und entscheidet dann selbst, ob euch ein Mehrpreis von 600 bis 1.600 € die höhere Auflösung, eine höhere Bildwiederholfrequenz, digitalen Zoom oder Bild- und Videofunktion wert sind.

Wer bis hier hin gelesen hat: Glückwunsch! Du hast es geschafft bis zum Schluss durch zu halten. ;)
Sollte einer von euch Fragen haben, beantworte ich diese gerne in den Kommentaren.

Bis dahin, Waidmannsheil!

Kommentare

Sven Loki

Danke für den super Bericht. Gerade das du ein bisschen auch den Unterschied zwischen Nachtsichtgerät und Wärmebildkamera herausarbeitest, finde ich sehr hilfreich.
Hast du vielleicht Erfahrungen damit, in wie fern man mit dem Gerät auch in den Mais schauen kann? Oder geht das wirklich nur gut ohne "Hindernisse" im weg, sprich auf der Wiese?

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