Heckler & Koch HK45 Tactical
Von Micha Richie am 25. März 2016

Bei der Suche nach einer halbautomatischen Kurzwaffe war mir insbesondere wichtig, dass die Waffe pflegeleicht, langlebig und leicht sein soll. Ich hatte anfangs mit einer Glock geliebäugelt; mir persönlich liegt der Glock Safe Action Abzug aber nicht so.

Neben der Glock gibt es natürlich auch einige Polymerpistolen mit klassischem Single-Action/Double-Action Abzug, so z.B. CZ 75, SIG SP 2022, Walther P99, FN FNX, HK P30, SFP9 und eben die HK45

Ausschlaggebend für die HK45 war dann unter anderem der Test von Larry Vickers
(http://www.ammoland.com/2011/01/larry-vickers-fires-50000th-round-in-hk45-pistol-endurance-test/#axzz43Sw4uWnP )
bei dem eine HK45 50.000 Schuss mit lediglich 5 mal reinigen quasi problemlos überstanden hat.


Konstruktion

Heckler & Koch bietet die HK45, wie unschwer am Namen erkennbar, nur im Kaliber .45 ACP an. Die HK45 wird in verschiedenen Varianten angeboten, als Full-Size oder als Compact und Tactical (also mit Laufgewinde). Die Polymergriffstücke sind auch in verschiedenen Farben erhältlich. Ich besitze die Tactical Variante in schwarz. Ist wohl Geschmackssache.

Die Pistole ist eine Weiterentwicklung der bewährten USP Pistolenfamilie und basiert wie diese auf dem Browning-Petter Verschlusssystem und ist somit ein Rückstoßlader. Der Lauf verriegelt bei diesem System im Schlitten und fährt nach Schussabgabe mit diesem einige Millimeter zusammen nach hinten und wird über die Steuerkurve abgesenkt sobald das Projektil den Lauf verlassen hat. Ein konstruktiver Unterschied zur USP ist, dass die HK45 - wie die Mark23 - über einen O-Ring (faktisch ein kleiner Dichtungsring kurz vor dem Laufende) verfügt, der am vorderen Ende des Schlittens das Laufspiel weiter minimieren soll. Im Lieferumfang sind Ersatz O-Ringe beigelegt.

Lauf und Schlitten sind aus Stahl gefertigt, das Griffstück aus Polymer. Unter dem Lauf ist in das Griffstück eine Standard-Picatinny Schiene eingearbeitet. An dieser Schiene lässt sich beispielsweise eine Montage für ein Red-Dot Visier anbringen, das durch diese Montage nicht den Rückstoßimpulsen, die auf den Schlitten wirken, ausgesetzt ist. Leider passt die Waffe mit einem so montierten Red-Dot nicht mehr in die meisten Holster.

Es besteht auch die Möglichkeit, die Kimme zu demontieren und über die Aussparung eine Baseplate für Red-Dots direkt auf den Schlitten zu montieren:
http://www.waffenspezialteile.de/shop_content.php...

Im Internet wird die HK45 Tactical für ca. 760EUR angeboten.


In der Praxis

"Praxis" spielt sich bei der Pistole bisher hauptsächlich auf dem Schießstand ab, dort habe ich ca. 700 Schuss abgegeben. Die Waffe zeigt bisher keinerlei Ausfälle o.ä. und funktioniert so wie sie soll. Die Präzision ist für eine Gebrauchspistole absolut ok. Die 10 zu halten, schaffe ich zwar nicht; liegt aber fairer Weise wahrscheinlich eher am Schützen. Die Waffe schießt sich sehr angenehm, der Rückstoß ist absolut beherrschbar, auch bei schnellen Schussserien. Das Griffstück greift sich sehr angenehm und die Waffe liegt sehr ruhig in der Hand. Es liegt außerdem noch ein Griffrücken in einer anderen Größe bei.

Ich führe die Waffe in einem Blackhawk Serpa Holster (auf meinen Fotos ist die Waffe auch im Holster zu sehen). Obwohl auf der HK Website bei diesem Holster keine Kompatibilität zur HK45 angegeben ist, passt die Pistole perfekt und auch der Lock-Mechanismus funktioniert so wie er soll. Insgesamt ist die Waffe mit dem Holster gut führbar, es soll aber erwähnt sein, dass es sich definitiv um eine Full-Size Pistole handelt. Das heißt, dass man schon deutlich - eher an den Maßen als am Gewicht - merkt, dass man da was am Gürtel hängen hat. Mich persönlich stört das nicht, ich finde die Maße gut und das Griffstück liegt so bei mir perfekt in der Hand.

Positiv aufgefallen ist auch, dass der Plastikkoffer am Tragegriff zwei kleine Ösen für ein Vorhängeschloss besitzt. So etwas vermisse ich beispielsweise bei den Koffern von Glock.

Was gefällt mir nicht 100%ig an der HK45?
- Die Sights. Kimme und Korn sind fluoreszierende Kreise. Für mich passt die Größe des Korns leider nicht 100% zur Kimme. Spielt in der Praxis beim Fangschuss wahrscheinlich eine untergeordnete Rolle, nervt aber etwas auf dem Schießstand etwas.

- Das austauschbare Rückstück des Griffes. Ich habe es bisher auch mit Gewalt nicht geschafft, den Bolzen rauszutreiben um das Griffstück zu wechseln. Schade auch, dass HK nicht wie Glock ein kleines Werkzeug dafür beilegt.

- Magazinkapazität. 10+1 ist nicht unbedingt überragend, mehr war wohl bei dem Griffstück, das mit Fokus auf Ergonomie entwickelt wurde, nicht möglich. Andere 45er Polymerpistolen wie beispielsweise die FN bieten hier trotzdem deutlich mehr.

Negativ ist auch anzumerken, dass es für die HK45 in Deutschland leider kaum Zubehör gibt. Ersatzmagazine sind deutlich teurer als bei z.B. Glock, gebraucht selten auf dem Markt. Holster gibt es nur sehr wenige; Tritium Sights sind quasi nicht zu bekommen. Da hat man bei einer Glock deutlich mehr Möglichkeiten.


Fazit

Insgesamt ist die HK45 eine gute, bodenständige Polymerpistole, die hält was sie verspricht. Sie ist hinreichend präzise, wartungsarm und leicht. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Zubehörmarkt für diese vergleichsweise junge Pistole noch etwas entwickelt. Ich würde die Pistole auf jeden Fall weiterempfehlen und kann, außer den genannten Kleinigkeiten, keine größeren Mängel feststellen.

Micha Richie
Spezialist

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