Das Leica Ballistikprogramm
Von Katharina M. Longrange am 22. Juni 2016

Horrido liebe GearTester.
Heute möchte ich euch einmal das Leica Ballistikprogramm vorstellen. Am Ende des Berichts findet ihr auch noch ein Video zur Veranschaulichung!!
Ich wurde auf das Programm aufmerksam, seit ich das Leica Magnus 1,8-12x50 mit BDC (Absehenschnellverstellung) nutze. Um das Glas mit seiner Absehenschnellverstellung voll ausnutzen zu können ist der Rechner eine ideale Ergänzung.
Das Programm findet Ihr auf der Webseite von Leica hier.

Nun eine kleine Navigation und Veranschaulichung durch das Ballistikprogramm:
Ihr könnt euch bei dem Programm mehrere Profile anlegen. Das hilft, wenn man z.B. mehrere Waffen mit unterschiedlichen Kalibern nutzt.

Zum Anlegen eines Profils:
Als erstes ist der Eintrag eines Profilnamens erforderlich. Entweder tragt ihr die Bezeichnung eurer Waffe, oder um es übersichtlicher zu machen, das Kaliber ein. Das Programm fragt euch ebenso, welche Einstellung Ihr nutzen wollt. Metrisch oder Imperial wird angeboten (für uns Metrisch, falls ihr nicht einen Laserentfernungsmesser nutzt der nur Yards anzeigt). Zur „Datenbank Konfiguration“ gehören wichtige Informationen über die verwendete Munition, ohne die das Programm nicht funktioniert. Die Eingabe der Informationen ist aber kinderleicht, da ihr einfach Hersteller, Kaliber, Geschoss (mit Gewichtsangabe) aus einer vorhandenen Datenbank auswählen könnt. Diese Informationen über eure Munition findet Ihr auf der Verpackung.



Aber auch die Wiederlader unter euch kommen hier nicht zu kurz. Hier gibt es einen extra Punkt „Handladung“. Ihr benötigt lediglich Angaben über Gewicht, BC-Wert (Ballistischer Koeffizient) sowie die V0 eurer geladenen Munition. Es gibt allerdings die Funktion sich den BC-Wert ausrechnen zu lassen, wenn man die V0 und den Messpunkt der V0 (meist 1m vor der Mündung gemessen) eingibt.



Dann, wieder für alle gleich, die Angabe der Visierhöhe. Das ist der Abstand zwischen der Visierlinie und der Rohrseelenachse. Die Fleckschussdistanz (meist 100m bei Nutzung einer ASV), Meereshöhe (auf der ihr euch befindet) und die aktuelle Temperatur beim Einschießen müsst ihr auch eingeben, damit das Programm richtig funktioniert.



Die grobe Einstellung habt Ihr somit gemacht. Jetzt fehlt nur noch die Auswahl des verwendeten Zielfernrohres mit dem dazugehörigen Absehen. Hier ist zu beachten, dass das alles nur in Verbindung mit einem Glas der Firma Leica funktioniert.




Jetzt kann man sich verschiedene Informationen unter den folgenden Reitern anzeigen lassen.

Flugbahn: Hier werden euch in einer Tabelle genaue Informationen zu Geschwindigkeit, Geschoßenergie, sowie der Abfall des Geschosses proportional zu der Entfernung dargestellt. Auch eine genaue Schusstafel bekommt ihr mit angezeigt. Beides geht in 5m Schritten bis 950m.



Kompensation:
Hier könnt Ihr jetzt bis zu elf Entfernungen eingeben, von min 100 bis max. 950m. In der Spalte „Holdover“ wird dann in cm angezeigt wie viel Ihr höher anhalten müsstet, um zu treffen. Die Klicks werden euch in einer separaten Spalte auch mit angezeigt.



Absehen:
Wenn Ihr z.B. das Absehen L-Ballistik von Leica nutzt, könnt Ihr euch nun unter diesem Reiter die bei der eingestellten Vergrößerung zu den „Dots“ (Punkte im Absehen) gehörigen Entfernungen Anzeigen lassen. (Achtung bei Veränderung der Vergrößerung ändern sich auch die Entfernungen)



Geovid:
Jetzt zu einer Möglichkeit, die mich wirklich überzeugt hat. Hier könnt Ihr eure Daten ganz einfach auf eine Speicherkarte laden und dann diese in das Leica Geovid stecken. Ihr könnt allerdings immer nur ein Profil einzeln auf der Karte speichern, mehrere Profile auf einer Karte erkennt das Geovid nicht an. Mich stört es in der Praxis aber nicht, ich habe ja schließlich auch nur eine Waffe auf der Jagd dabei. Tipp: wenn ihr verschiedene Waffen oder Munition nutzt und keine Lust habt jedes Mal die Speicherdaten zu ändern, einfach mehrere Karten kaufen (sind ja sehr günstig, da hier kein riesen Speichervolumen benötigt wird) und beschriftet sie mit dem Kaliber.
Der LEM rechnet zusätzlich zu der angezeigten Entfernung in Verbindung mit dem aktuellen Luftdruck, der aktuellen Temperatur (daher anfangs die Temperatur beim Einschießen) und der auf der Speicherkarte befindlichen Kompensation die einzustellenden „Klicks“ für eure Absehenschnellverstellung aus.



Natürlich ist es auch möglich, die Daten als PDF runterladen oder zu drucken.

In der Praxis:
Jetzt die Frage: Hey, das bekomme ich mit einer Ballistik-App, meiner Absehenschnellverstellung und einem Laserentfernungsmesser doch auch hin?!
Im Prinzip schon, aber hier habt ihr mehrere Schritte in einem. Die Programmierung ist bereits fertig auf dem Geovid. Ein Fernglas braucht man, und hat man eh meistens dabei. Zusätzlich noch einen Laserentfernungsmesser könnt ihr euch sparen sowie auch die App. Was bringt das in der Praxis? ZEIT! Die Situation auf dem Ansitz ist meistens so: Wild auf der Wiese, Fernglas hoch- Bock. Laserentfernungsmesser nehmen, ausmessen. Dann in die App eintragen und die Klicks anzeigen lassen. Bis das alles gemacht ist, hat sich das Stück meistens bewegt, wenn nicht sogar (manchmal hat man halt kein Glück) nieder getan.



In dieser Kombination Ballistikprogramm und Geovid habt ihr alles in einem. Entfernung und Temperatur sowie Luftdruck zeigt euch das Geovid nicht nur an, sondern, dank der Programmierung direkt auch die benötigten Klicks. Also müsst ihr nur: Fernglas hochnehmen, einen Knopf drücken, die Klickzahl einstellen von der BDC- und dann? Schießen!



Um euch einmal zu zeigen, dass es wirklich gut funktioniert, haben wir mal auf 100-300m ohne eine Verstellung geschossen um den Geschossabfall einmal darzustellen. Anschließend haben wir auf die angezeigten Klicks des Ballistikprogramms in Verbindung mit dem GeoVid vertraut und auf 300m geschossen. Ich war wirklich erstaunt darüber, wie gut das funktioniert hat. Es hat 100% gepasst.




Fazit:
Ich finde, dass das Programm in Verbindung mit einem Leica Zielfernrohr und dem Geovid eins der fortschrittlichsten Dinge, die auf dem Markt sind. Ja klar, es setzt voraus, dass man nicht nur das Geovid bei Leica kauft, aber wäret ihr der Hersteller, würdet Ihr das anders machen?! Eher nicht. Wer oft im Gebirge, sowie auf weite Distanzen jagt, wird mit einem solchen Paket einen guten Helfer bekommen. Ihr dürft aber bitte nicht vergessen, dass ein Training vor der jagdlichen Nutzung unumgänglich ist. Erst wenn man sein Material kennt und beherrscht, sollte man es auf der Jagd nutzen, das sind wir dem Wild schuldig! Ebenso extrem wichtig: Ihr dürft bei weiteren Schüssen den Wind nicht außer Acht lassen! Dieser Drift wurde bei dem Programm, sowie bei dem Geovid aus technischen Gründen nicht berücksichtigt. Also nicht den Fehler machen und Denken, wenn z. B. ein Hirsch auf 500m steht, Ihr mit dem Geovid die benötigten „Klicks“ ermittelt und eingestellt habt, dass ihr dann einen tödlichen Treffer landet.
Alles in allem, kann ich euch die Kombination wirklich nur empfehlen, wenn es mal etwas weiter sein darf. Ihr spart euch nicht nur alle Sachen einzeln herum zu tragen (App, LEM, Fernglas), sondern auch mehrere Bewegungen und vor allem Zeit. Also in Zukunft nur noch: Fernglas hoch, klicken, schießen. In diesem Sinne: Waidmannsheil!!




Kommentare

Franz Baumann

... na super, halbes posting rausgeschnitten worden ...

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